Gerhard Kofler über steigende Preise, Südtirols Zukunft, echte Mineralität und Weine mit Herkunft.

Gerhard Kofler ist kein Mann der grossen Gesten. Er braucht sie nicht – er ist ein Mann der grossen Weine, seiner grossen Weine.
 
Seit 2005 verantwortet er als Kellermeister die Weine der Kellerei Girlan. Er ist ausserdem Präsident des Verbandes der Südtiroler Kellermeister. Eine passende Wahl, kennt er doch die Vielfalt der Südtiroler Weinwelt aus seiner Erfahrung als zweiter Kellermeister von Schreckbichl und ehemaliger Kellermeister von Nals Magreid.
 
Mit unserem Weinakademiker, Christof Zeller, spricht er über ein Weinland, das an einem Wendepunkt steht, obwohl es mittlerweile zu den bedeutendsten Weissweinregionen Italiens gehört.
 
Gerhard warnt die Südtiroler Weinwelt, die Zukunft nicht allein in höheren Preisen zu suchen. Das Südtirol muss in der Sortenwahl präziser werden, noch kompromissloser in den Weinbergen und verständlicher in der Kommunikation seiner Herkunft. Nicht jede Rebsorte gehört auf jeden Boden. Nicht jeder Wein braucht mehr Holz. Und nicht alles, was kühl, straff oder saftig ist, ist automatisch mineralisch. Muss es im übrigen auch nicht sein.
 
Genau davon handelt das Gespräch mit Gerhard Kofler: Von der Zukunft eines kleinen Weinlandes, das nicht grösser werden kann und deshalb charaktervoller werden muss. Die Beweise für seine Hypothesen erbringt er in Flaschenform, als thematische Weinsets. Mit einer gänzlich unbekannten Rarität.
 
Ein Weinvogel-Podcast für Fortgeschrittene, nachzuhören auf Spotify oder im Video.
 

 

 
178,80 CHF inkl. MWST.

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Die Wahl des Präsidenten

 

In Gerhards Brust schlagen mindestens zwei Herzen: Dasjenige für die Weine der Kellerei Girlan und andererseits die Grandezza des Präsidenten der Südtiroler Kellermeister. Wir baten ihn um sechs Weine, die aus seiner Sicht das Südtirol ausmachen.
 
Die gewählten Weine zeigen, dass Gerhard vorlebt, was er einfordert: Alte Reben und junge Ideen, kalkhaltige Eleganz, alpine Frische und mineralische Weine.
 
Die Reben des In der Lamm Weissburgunders 2024 vom Weingut Abraham wurden 1955 auf Pergeln gepflanzt. Die tief im Muttergestein wurzelnden Rebstöcke brauchen keine Bewässerung und transportieren vielfältige mineralische Geschmackskomponenten in die Trauben.
 
Der Vernatsch Gschleier war der erste Wein, den Gerhard in Girlan produzieren durfte und ihm Demut vor dem Rebenalter lehrte. Die 80- bis über 100-jährigen Reben sind die zentrale Voraussetzung für Komplexität: Alte Reben bringen mehr Geschmack, fordern Gelassenheit im Keller und benötigen keine hochgezüchteten Reinhefen. 94 Punkte von Falstaff und ehemals «Italy’s Wine of the Year».
 
Der Turmhof Chardonnay 2022 und Praesulis Sauvignon 2024 vom Gumphof sind kristallin und klar, zeigen Zitrus, Kräuter und eine feine Würze. Sie behalten immer die gewünschte Präzision und kühle Eleganz.
 
Gehört zum Südtirol, wie der Papst zum Vatikan: Der Riserva Lagrein Abtei Muri 2023 sowie die historische Einzellage Klosteranger Lagrein 2021 von Muri-Gries: Brombeere, Schwarzkirsche, Veilchen, Kakao und Gewürze. Saftige Kraft, feines Tannin und jene unverkennbare Grieser Wärme.

 

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1 x Flora Weissburgunder Riserva 2023
1 x Marna Chardonnay 2025
1 x Indra Sauvignon 2025
1 x  Curlan Chardonnay Riserva 2022
1 x Gschleier Alte Rebe Vernatsch 2023
1 x Trattmann Blauburgunder Riserva 2023
von der Kellerei Girlan

 
248,60 CHF inkl. MWST.

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Die mineralischen Weine der Kellerei Girlan


 Gerhard zum allgegenwärtigen Thema Mineralität und Salzigkeit im Wein: «Da bin ich sehr kritisch, muss ich ehrlich sagen. Aus dem Keller kommt davon gar nichts, und es gibt auch nicht annähernd so viele mineralische Weine, wie alle behaupten. Das ist im Moment das Schlagwort schlechthin: Mineralisch und salzig. Aber in Südtirol, ähnlich wie allen anderen Weinbaugebieten, gibt es nicht so viele mineralische Weine, hier wird allzu oft säurebetont mit mineralisch verwechselt, saftig, harmonische Weine gibt es hingegen vor allem in Südtirol sehr viele.»
 
Die Mineralität kann nur vom Boden kommen, von tiefwurzelnden und alten Reben. Mit zurückhaltender Extraktion und wenig Holzeinsatz gelingt es in einigen Jahrgängen, Mineralität in die Weine zu bringen. Die besten Reben der Kellerei Girlan wurzeln so tief, dass sie sich bei Trockenheit und Wetterextremen selbst regulieren und ohne künstliche Bewässerung auskommen.
 
Aus Gerhards Sicht ist der mineralischste Wein, den die Kellerei Girlan produziert, der Chardonnay Curlan 2022: Reife Zitrusfrucht, gelber Apfel, Rauch, feine Röstaromen und ein salziger Kern stehen in bemerkenswerter Balance. Falstaff bewertet den Jahrgang mit 95 Punkten.
 
Der zweite mineralische Wein von Girlan ist der Vernatsch Gschleier 2023.
 
Beim Pinot Noir Trattmann 2023 wird es mit der Mineralität etwas schwieriger, das ist ein kräftiger Wein. Ein sehr guter, saftiger, eleganter Wein, aber kein mineralischer. 13 seiner Jahrgänge wurden in Folge mit den Tre Bicchieri des Gambero Rosso ausgezeichnet.
 
Demgegenüber stehen zum Vergleich ausserdem der saftige Flora Weissburgunder 2023, mit Aromen von hellem Apfel, Birne, weisse Blüten und cremiger Hefenote. Der Marna Chardonnay 2025 mit gelber Frucht, Zitrus und kühl-duftigem Nachhall sowie der intensive Indra Sauvignon 2025 mit sortentypischen Aromen von Grapefruit, Stachelbeere, Holunderblüte und den – dem Südtirol eigenen – alpinen Pfefferminznuancen.

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2 x Pinot Noir Wildmonn 2022
1 x Chardonnay Wildmonn 2023

 
249,00 CHF inkl. MWST.

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Raritäten vom Weingut Wildmonn

 
 Oberhalb der Montiggler Seen, in den Wäldern bei Girlan, soll einst ein wilder Mann gelebt haben. Er zog nach Amerika, suchte Gold, lebte der Überlieferung nach unter Wölfen und kehrte schliesslich mit Taschen voller Kostbarkeiten zurück.
 
Seinen Schatz soll er auf einem Hügel vergraben haben. Gefunden wurde er bis heute nicht.
 
Gerhard Kofler, Michaela Kofler und Thomas Meraner haben vor 14 Jahren auf diesem Hügel Reben gepflanzt. Und Jahr für Jahr wächst dort nun ein Weinschatz.
 
Dieses Boutique-Weingut von Gerhard Kofler kann – ausserhalb der grossen Kellereistruktur – jene Dinge verfolgen, für die es vor allem Geduld braucht und die keinen Wirtschaftlichkeitsüberlegungen gehorchen müssen.
 
Bewirtschaftet wird ohne Herbizide und mit intensiver Handarbeit. Vergoren wird im Holz, gereift in unterschiedlichen Fassgrössen und ohne Eile abgefüllt.
 
Diese Weine sind jeweils vor der Abfüllung bereits ausverkauft. Gerhard hat sich jedoch bereit erklärt, uns für Sie aus seinem privaten Weinkeller einige wenige Flaschen abzugeben.
 

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Grosse Weine entstehen nicht im Keller. Wenn das Ausgangsmaterial nicht da ist, ist alle Technik nichts.
Die Komplexität in den Weinen der Kellerei Girlan kann man nicht kaufen. Sie entsteht, weil diese Weine heute aus wirklich alten Reben erzeugt werden. Im Moment ensteht da auch für die nächsten Generationen unheimlich viel Grossartiges. Mit Anlagen, die jetzt langsam erwachsen werden. Hier noch einmal das ganze Gespräch zum Nachhören.


 
 
Ihr Weinvogel-Team mit Sebastian Vogel und Christof Zeller (Weinakademiker)
 
P.S. Sollten Sie Ihren Lieblingswein nicht in unserem Sortiment finden, teilen Sie uns Ihre Wünsche gerne via info@weinvogel.ch mit