Vinicus TyrolensisDarf ich mich vorstellen? Mein Name ist Vinicus Tyrolensis, ich bin ein typischer Südtiroler Weinbauer mit pfiffigem Einschlag. Ich berichte über Kulturelles, Lustiges und Wirtschaftliches aus meiner Heimat. In besinnlichen Stunden bei einem Glas Wein widme ich mich auch der Dichtkunst. Ganz besonders liegt mir unser Nachbarland, die Schweiz, am Herzen. Hier besteht eine Seelenverwandtschaft.

 

Der Wein im Wetterspruch

April

April kalt und nass
Füllt Scheune und Fass.

Aprilsturm und Regenwucht
Verkündet Wein und goldne Frucht.

Bringt der April noch Schnee und Frost,
Gibt’s wenig Heu und sauren Most.

Zu Georgi blinde Reben
Volle Trauben später geben.

Sind zu Georgi die Reben noch blutt und blind,
So soll sich freuen Mann, Weib und Kind.
           
(St. Georg, 23. April)

Was die Frösche vor Markus Schreien,
Müssen sie nachher schweigen.

Gibt’s am Markustag Sonnenschein,
So bekommt man guten Wein.
           
(Hl. Markus, 25. April)

Regen in der Walpurgisnacht
Hat stets Tenn und Keller voll gemacht.
           
(Nacht vom 30. April zum 1. Mai)

Mai

Pankrazi, Servazi und Bonifazi
Sind drei frostige Bazi,
Und zum Schluss fehlt nie
Die böse Sophie.
           
(St. Pankratius 12., St. Servatius 13., St. Bonifatius 14., Hl. Sophie 15. Mai)

Ist St. Pankratius schön,
Werden guten Wein wir sehn.

Nach Servaz fürcht keinen Frost,
Der schadet dem Wein und dem Most.

Pankratius, Servatius, Bonifatius,
Der Gärtner sie beachten muss;
Gehen sie vorüber ohne Regen,
Dem Wein bringt es grossen Segen.

Die drei Ius ohne Regen
Versprechen reichen Weinsegen.

Die drei Atius sind strenge Herrn,
Sie ärgern den Winzer und Gärtner gern.

St. Urban bringt zum Trost
Den allerletzten Frost.
            (St. Urban 25. Mai, Schutzpatron der Winzer)

Scheint am Urbanitag die Sonne,
So gerät der Wein zur Wonne;
Regnets aber, so nimmt er Schaden
Und wird selten gut geraten.

Wenn St. Urban lacht, dann tun die Trauben weinen;
Weint St. Urban, gibt der Trauben nur ganz kleinen.

Die Witterung auf St. Urban
Zeigt des Herbstes Wetter an.

Juni 

Ist der Brachmonat warm und nass,
Füllt sich Scheune und Fass.

Im Juni viel Regen
Kommt Weinbergen und Bienen ungelegen.

Kalter Juniregen,
Bringt Wein und Honig keinen Segen.

Regnets an Sankt Barnabas,
Schwimmt die Traube bis ins Fass.
            (St. Barnabas, 11. Juni)

O heiliger Sankt Veit,
Regne nicht,Dass es uns nicht an Obstund Wein gebricht.
           
(St. Veit, 15. Juni)

Wenn der Rebstock vor Vitus geblüht,
Der Bauer gutem Wein entgegen sieht.
            (Vitus = Veit)

Regen an Sankt Peter und Paul
Wird die Kornernte faul.
Ist es am St. Peterstag schön,
Dürfen die Müller Wein trinken gehen.
           
(St. Peter und Paul, 29. Juni)

Juli

Einer Rebe und einer Geiss
Ist’s im Juli nie zu heiss.

Was Juli und August am Wein nicht vermocht,
Das wird von September nicht gar gekocht.

Soll gedeihen der Wein,Muss Juli sonnig sein.

Nur in der Juliglut
Wird Wein und Obst dir gut.

Kochen nicht Juli und August den Wein,
Wird’s später noch schwerlich der Fall noch sein.

Kleiner stiller Regen stillt
Den grossen Wein und füllt
Alle Keller schneller.

Ein tüchtiges Juligewitter
Ist gut für Winzer und Schnitter.

Was die Hundstage giessen
Muss die Traube büssen.

Juli kühl und nass
Leert Scheune und Fass.

Bringt Margaretha Regenzeit,
Verdirbt Most und Mus weit und breit.
           
(Hl. Jungfrau Margreth, 20. Juli)

Jakob wegnimmt Not und Pein,
Bringt Kartoffel, Brot und Wein.

Wenns am Jakobi regnet,
Ist der Wein nicht gesegnet.
           
(Hl. Apostel Jakob, 25. Juli)

August

Der August gibt dem Wein den Gust.

Wenn der August nicht kocht den Wein,

Dann wird er schlecht geraten sein.

Wenn im August dicke Regen sein,
Ist umso dünner Korn und Wein.

Gibts am St. Oswaldstag viel Regen,
Wird gut der Wein aber nicht der Erntesegen.
            (St. Oswald, 5. August)

Ist St. Lorenz gut und fein,
Wird es auch die Traube sein.

St. Lorenz mit heissem Hauch
Füllt dem Winzer Fass und Schlauch.

Ist Laurenzius ohne Feuer,
Gibts ein saures Weinchen heuer.

Nach Lorenzi ist es nicht gut,
Wenn das Rebholz treiben tut.
            (St. Lorenz, 10. August)

Schön Wetter an Mariä Himmelfahrt,
Verkündet Wein von bester Art.

Geht Maria in den Himmel ein
Bei schönem Wetter und Sonnenschein,

So gibt es wohl einen guten Wein.
           
(Maria Himmelfahrt, 15. August)

Bartolomä voll Sonnenglut
Macht Wein und Reben stark und gut.

Regen um Sankt Bartolomä
Tut den Reben bitter weh.
           
(Hl. Apostel Bartolomäus, 24. August)

Wenn Felix nicht glückhaft,
Der Michel (29.9.) keinen Wein schafft,

Hat Gallus (16.10.) nur sauern
Aufs Feld für die Bauern.

September


Was Juli und August nicht zu braten vermocht,
Wir auch im September nicht gar gekocht.

Wenn der September nicht kocht und bratet,
Dann auch die Traube nicht geratet.

Septemberregen
Ist dem Bauer gelegen,
Wenn er aber den Winzer trifft,
Ist er ebenso schlecht wie Gift.

Wenn im September Donner und Blitz dir dreuen,
Magst nächstes Jahr an Obst und Wein dich freuen.

Der schöne Matthä bringt prächtigen Klee
Und herrlichen Wein zum Ernteschluss ein.

Wenn Matthäus weint statt lacht,
Er aus Wein oft Essig macht.

Matthäus mit viel Wasser
Ist des Weines Hasser.

             (Hl. Apostel Matthäus, 21. September )

Matthies macht die Trauben süss,
Weinhändler auf ihn achten,
Des Michels Wetter auch beachten.

St. Michelwein
Muss Muskateller sein.
Wie gern gedenk ich dein
Trotz meines Zipperlein.

Um Michael Reif und Schnee
Tut Weinstock und Trauben weh.
            (Hl. Michael, 29. September)